Relaunch 2.0
Bisher wagten es nur wenige Web 2.0 Seiten einen umfangreichen Relaunch ihrer Plattform zu machen. Meistens wurden Seiten nur langsam und in kleinen Schritten verändert und optimiert. Nun hat die wichtigste Social News Website in Deutschland, Yigg, den großen Schritt gewagt und mit seinem Relaunch eine große Anzahl User verärgert.
Von Samstag bis in den frühen Morgen war Yigg offline, weil zwei Millionen Datensätze in das neue System überführt werden mussten. Als die Macher von Yigg am Montag Mittag nach ihren ersten Stunden Schlaf wieder aufwachten, mag ihnen ihre eigene Seite nicht mehr gefallen haben. Auf der Startseite von Yigg fanden sich News wie “Altes Yigg, oder wir sind weg.”, “Yigg auf Selbstzerstörungskurs” oder “Der Klops des Monats geht an Yigg”.
Was war schlecht gelaufen beim ersten richtig grossen Relaunch 2.0 im deutschen Netz?
Die Downtime von mehr als zwei Tagen ist sehr lang geraten und war vermutlich auch kürzer geplant. Eine Migration von zwei Millionen Datensätzen kann man sicher schneller bewerkstelligen. Viele Usern nicht den täglichen Zugriff auf eine Seite ermöglichen, die reglmäßig genutzt wird, sollte vermieden werden. Mit Diensten wie Webnews lauern bereits Mitkonkurrenten, die in dieser Zeit sicher Yigg-User angezogen haben. Zudem wurde ein Wochenende gewählt in dem durch das EM Finale einige Nachrichten generiert wurden.
Grundlage des neuen Designs von Yigg waren laut Yigg Chef Michael Reuter das Ergebnis einer Usabilty Studie und die Vorschläge und Ideen der Yigg Community. Nach dem ersten deutlichen Feedback zum Design wurden die Vorschläge der User möglicherweise falsch verstanden. Für viele Yigg-User, die viel Zeit auf der Seite verbringen, könnte aber das Problem sein, dass sie nichts aus dem alten Yigg wiederfinden und sich plötzlich auf eienr mit ganz anderen Tapeten renovierten Website wiederfinden.
Dazu kommen nach einige Fehler und fehlende Features, die im Moment das Arbeiten mit dem neuen Yigg erschweren. Die Yigg-Macher hätten gut daran getan ihre User über den Design-Schock mit einigen netten neuen Funktionen hinwegzuhelfen. Neue Funktionen, die das Arbeiten im neuen Yigg erleichtern fehlen bisher.
Die Yigg-Macher haben sich entschieden eine Beta Version (Yigg V6 Open Beta) ins Netz zu setzen. Ein riskanter Schritt, weil die sensiblen und teilweise sicher überhasteten und überzogenen Reaktionen der Stammuserschaft zu erwarten waren. Aus dem holprigen Yigg Relaunch kann mitgenommen werden, dass ein Relaunch offensichtliche Verbesserungen für den User haben sollte und optische Veränderungen dem User in kleinen Schritten beigebracht werden sollten, wenn man Nutzer hat, die regelmäßig und lange mit der Seite arbeiten.



Am 3. Juli 2008 um 23:29 Uhr
Unser Relaunch wird in dem Beitrag gut beschrieben: in der Tat haben wir uns dazu entschieden, eine Beta-Version online zu stellen, die wir mit Hilfe des Feedbacks unserer Community rasch optimieren wollen.
Nicht gerechnet haben wir mit der Heftigkeit der Reaktionen, die sich auf Design, fehlende Funktionalität und Bugs bezogen.
Allerdings haben wir direkt versucht, alle Reaktionen intern zu kanalisieren und als letztlich ideale Feedback-Möglichkeit zu nutzen. Selten erhält man von so vielen Seiten in so kurzer Zeit Rückmeldung.
Wir haben ein Forum eröffnet, in das Nutzer sehr eifrig Änderungs- und Verbesserungsvorschläge eingetragen haben. Zusätzlich haben wir einen Liveblog eingerichtet, über den wir immer wieder über den Fortgang des Relaunchs berichtet haben und für Fragen bereit standen.
Dies hat uns zeitlich und personell zusätzlich belastet, aber wir haben gespürt, dass wir dies unserer Community schuldig sind.
Das vorläufige (noch sind wir am Bugfixen und Einspielen von Updates) Fazit heisst aus unserer Sicht kurz und knapp: Fehler gemacht, auf die Zähne gebissen, gehandelt und verbessert.
Wir hoffen, dass der YiGG-Relaunch nicht nur aufgrund der von uns gemachten Fehler in Erinnerung bleiben wird, sondern auch deutlich macht, was es heisst, eine Community zu sein. Uns als Betreibern ist es jedenfalls nochmals unmissverständlich vor Augen geführt worden.
Viele Grüsse
Michael Reuter